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“Self-Empowerment” - Stürzt die Staatsexperten von den Pyramiden!

15.06.2009 | 2 Kommentare

Vom Staats- zum Zivilbürger!

Obwohl nur ein geringer Prozentsatz der Wahlberechtigten Mitglieder der politischen Staatsparteien sind, haben die Parteien in oligarchischer Weise Besitz von der Demokratie ergriffen.

Es ist längst an der Zeit, von unserem sozialen und politischen Instrumentarien die Patina herunterzukratzen und die Weichen zu stellen, damit sich der vom alten Obrigkeitsstaat geprägte Staatsbürger zu einem modernen Zivilbürger weiterentwickeln kann. Das Ziel ist die überfällige Emanzipation des Individuums und Bürgers , der sich vom Gängelband der Bevormundung durch Staat, Verwaltung und andere Machteliten löst, übermächtige Hierarchien sprengt, sich in all seine Belange mehr einmischt und einen evolutionären Quantensprung hin zu einem selbstverantwortlicheren und damit glücklicheren wie produktiveren Leben vollzieht. Es reicht nicht, die Zivilgesellschaft zu ermächtigen, man muss auch die staatliche Bürokratie entmächtigen.

Sozial- und Gesundheitspolitik in die Hände der Betroffenen!

Die Sozial- und Gesundheitspolitik in Vorarlberg muss sich einer Diskussion stellen. Nach dem in den siebziger/achtziger Jahren Begriffe wie Emanzipation, Selbstorganisation, Betroffenenkompetenz etc. die Diskussionen dominierten, hat sich das Blatt mehr und mehr Richtung Überbehütung, Anpassung, Wohlverhalten und Kontrolle gewendet. Auch in der Ausbildung ist eine zunehmende Verschulung festzustellen. Die Konzentration der sozialen Einrichtungen auf wenige große Träger hat zu einer Entdemokratisierung innerhalb der Institutionen beigetragen. Dies wirkt sich auch auf die Beziehung zu jenen Menschen aus, welche diese Einrichtungen in Anspruch nehmen. Kritische Stimmen sind kaum mehr zu hören. Angst vor Existenzverlust mag einer der Gründe sein. Das Land hält sich einige wenige ExpertInnen, welche via Medien mit moralischen Appellen der Bevölkerung verkünden, was gut und was schlecht für sie sei. Sie reden “über” Menschen in schwierigen Lebenssituationen und tragen zumindest teilweise zu deren Stigmatisierung bei. Damit wird ein völlig falsches Bild suggeriert. Denn wer weiss um die Befindlichkeit besser Bescheid, als die Betroffenen selbst. Gerade diese Initiativen mit ihrer Lebens- und Sozialkompetenz tragen zur realen Emanzipation massiv bei. Daher sollen sich die staatlichen “Pseudo-ExpertInnen” zurückziehen und dieses Feld den von einem Handicap betroffenen Menschen überlassen.

Seit mehreren Jahren versuchen wir nun, dieser bürokratieverdichteten Entwicklung entgegenzusteuern. Mit dem alljährlichen Selfempowerment-Day beim Transmitter Festival präsentieren sich Gruppen, deren AktivistInnen von einem Handicap betroffen sind und die ihre Sache selbst in die Hand genommen haben. Sie haben sich zu PraxisexpertInnen entwickelt. Als positive Beispiele nenne ich hier den Verein “Reiz” (www.reiz.at) oder die “People First” Bewegung, welche kürzlich in Dornbirn und Bludenz ihre Räumlichkeiten in Betrieb nahmen.

Euer Bernhard

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2 Kommentare

  1. Frontal

    Ich glaube das die Jahrelange Sichtweise bei Menschen mit Handicap fast ausschließlich auf Schädigungen,Defizite oder Symptomen ausgerichtet ist.Diese Sichtweise wird heute noch größtenteils von den sogenannten „Helfenden Institutionen“ so verbreitet.Diese Anschauung verbreitet in der Gesellschaft das Menschen mit Handicap in Sondereinrichtungen am besten „aufgehoben“ sind.Die Theorie ist:dass man den Bedürfnissen dieser Menschen am besten gerecht wird,wenn man sie zusammen gruppiert und von der Gesellschaft isoliert! So ein Schwachsinn.
    Ich möchte mal den Menschen kennen lernen der behauptet er hätte kein Handicap. Danke Herr Amann sie sprechen mir aus der Seele
    Kämpfen sie weiter,meine Unterstützung haben sie.

  2. wotu

    Da kann ich nur voll und ganz zustimmen.

    “Alle Menschen sind gleich” ist ein Trugschluss der der uns in die Mittelmäsigkeit zwingt indem wir uns dem Diktat der masse beugen.
    ich glaube
    “Jeder Mensch ist anders, das ist was uns verbindet”
    man sollte dem Individuum das Selbstbewusstsein zurückgeben damit dieses zu eigenen Gedanken fähig ist und den Mut entwickelt sich einzubringen, mitzugestallten statt nur Flaggen zu schwingen und die Opposition zu bekämpfen.

    danke bernhard
    ich finde diesen Blog sehr erfrischend deine Ansichten, Anregungen und Vorschläge sind immer sehr kreativ, mutig und inspirierend.
    freue mich auf zukünftige themen

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