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Bitte weiter leiden!

09.12.2009 | 3 Kommentare

In Vorarlberg gibt es an die 450 Menschen, welche sich in einem Ersatzdrogenprogramm befinden. In dieses Programm kommen ausschließlich Personen, welche schon seit Jahren an einer Drogensucht leiden und physisch sowie psychisch noch nicht in der Lage sind, eine abstinenzorientierte Therapie durchzustehen. Ziel dieser Substitutionstherapie ist es, diese Menschen körperlich und seelisch zu stabilisieren und entkriminalisieren. Dabei kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Das gängigste Mittel dabei ist Methadon, welches jedoch bei einem Teil der Betroffenen massive Nebenwirkungen hervorruft. Schon bei einer Umfrage vor 10 Jahren bei 42 Personen beklagten diese eine hohe Gewichtszunahme, vermehrtes Schwitzen, Depressionen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Verdauungsstörungen, Vergesslichkeit oder Libidoverlust. Um diese Nebenwirkungen zu ertragen, kommen dabei Benzodiazepine wie das Medikament Somnubene zum Einsatz. Diese Kombination macht nicht nur psychisch, sondern vor allem auch körperlich abhängig und zwar viel stärker als das Opiat Heroin.
Nun gibt es morphinhältige Ersatzmedikamente wie Substitol oder Compensan, die laut Angaben der Betroffenen besser verträglich sind und damit eine zusätzliche Medikation verringern, ja sogar überflüssig machen.
Obwohl diese morphinhältigen Medikamente eine bessere Verträglichkeit zumindest bei einem großen Teil der substituierten Personen aufweisen, wurde vom Gesundheitsministerium in der Suchtgiftverordnung Methadon als Mittel als erste Wahl festgelegt. Der Verein für Drogenfachleute kritisierte bereits 2006 Methadon als jenes Substitutionsmittel, welches die meisten Nebenwirkungen aufweist. Offensichtlich sollen drogenabhängige Menschen, die sich für eine Substitutionstherapie entscheiden, weiter leiden. Dieser Zynismus ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.
Während vor dem Inkrafttreten der Suchtmittelverordnung 2007 logischerweise der Facharzt aufgrund seiner Kompetenz die Wahl des Substitutionsmittels per Rezept verordnete und der Amtsarzt dieses bestätigte, kann nun der Amtsarzt auch inhaltlich eingreifen. Dies führt nun dazu, dass die zuständigen Amtsärzte, obwohl sie in der Regel keine Facharztausbildung besitzen, die Entscheidung des Facharztes ignorieren und das Mittel “ihrer Wahl” - Methadon - den substituierten Menschen aufs Auge drücken können. Obwohl der Facharzt Methadonunverträglichkeit bestätigt.

Euer Bernhard.

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3 Kommentare

  1. castro

    die armen. beim beginn ihrer drogenkarriere hatt sie auch niemand dazu gezwungen.aber mit ihrer selbstlosen art ist ja die gesellschafft schuldig, das sie am unteren rand gelandet sind.

  2. nachbaste
  3. yvy_7

    Wenn bspw. jene Amtsärzte
    - welche keine Facharztausbildung besitzen -
    die Entscheidung des Facharztes ignorieren,

    wie kommt sich dann der Facharzt eigentlich vor? ;-)

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