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Moderne Sklaverei!

19.04.2010 | 6 Kommentare

Was sich in der privaten 24-Stundenpflege abspielt ist einfach skandalös. Offensichtlich ist in diesem Bereich der Abzocke Tür und Tor geöffnet. Wie ja allgemein bekannt, werden aufgrund der hohen Personalkosten hierzulande Pflegerinnen aus Osteuropa für die häusliche Pflege rund um die Uhr engagiert. Über eine in Tirol beheimatete Agentur hatte eine Bekannte welche in der Pflegestufe 6 eingestellt ist, eine Krankenschwester aus Bulgarien zugeteilt bekommen. Während diese Agentur täglich €62.–, also für den Monat März €1.922.– kassiert, bietet dieser “gemeinnützige” Verein gegenüber der Krankenpflegeperson folgendes:

1. Bezahlung €600.– pro Monat
2. Telefonwertkarte im Wert von €1.– pro Tag
3. Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung (€143.– monatlich)
4. Fahrtkostenersatz für Hin- und Rückfahrt in der Höhe von ca.
€150.–) nach 3-monatiger Arbeitsleistung. Bei vorzeitiger Rückreise wird nur eine Strecke bezahlt. Bei Abreise unter 14 Tagen kein Kostenersatz.
5. Organisation der Arbeitsberechtigung (Gewerbeanmeldung). Die Kosten von €70.– werden bei 3-monatiger Arbeitsleistung übernommen.
6. 2 mal 6 Stunden pro Woche frei (nach Vereinbarung mit dem zu Betreuenden).
7. Ansprechperson in Muttersprache.
8. Verpflegung und Unterkunft müssen vom Betreuenden zusätzlich übernommen werden.

Von den Pflegerinnen wird eine Arbeitsleistung von mindestens 3 Monaten eingefordert. Danach sind erst Unterbrechungen möglich. Da dieser Job eine hohe physische und psychische Belastbarkeit erfordert, ist es aus meiner Sicht unmöglich, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Aus diesem Grund suchte diese Krankenschwester eine Ärztin auf und diese erklärte ihr, dass mit ihrer Versicherung etwas nicht stimme. Oder wurde sie überhaupt nicht angemeldet?

Wenn wir nun bei allem Good Will die monatlichen Kosten zusammenrechnen, kommen maximal €1.000.– zusammen. Also kassiert diese “gemeinnützige” Einrichtung allein für den Monat März €992.– in ihre eigene Tasche. Wo hier die Gemeinnützigkeit vorliegt ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, denn es dürfen ja keine Gewinne erzielt werden. Gemeinnützige Vereine haben die Pflicht, dass lediglich eine Kostendeckung vorliegt.

Hier wird auf beiden Seiten Ausbeutung betrieben. Auf Kosten des Pflegepersonals und auf Kosten der zu pflegenden Menschen findet eine Bereicherung auf dem Rücken der Ärmsten statt.

Dass die Kontrolle durch die zuständige Behörde im stationären Bereich zumindest in den letzten Jahren vernachlässigt wurde haben wir ja leidlich erfahren müssen. Aber auch in der häuslichen Pflege ist anhand dieses Beispiels Kontrollnotstand. Ich hoffe nun, dass endlich gehandelt wird und solchen Abzockern auf die Pelle gerückt wird.

Euer Bernhard

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6 Kommentare

  1. bengel12

    Sehr geehrter Herr Amann.!

    Daß Sie n i c h t übertreiben, um Aufsehen zu erregen - wie von einem Kommentator angenommen - weiß ich - tja - irgendwie bin ich ein Fan von Ihnen. Dies nicht lediglich in politischer Hinsicht, sondern ich schätze auch Ihre Person mit absolut liberaler Einstellung! Nomen est omen - der “Emsige”.
    Bravo und weiter in die richtige Richtung!

    Karl A. Lindenthaler

  2. igel65

    Das dies so abläuft wissen wir schon zig Jahre,aber es wird nichts unternommen weil inländische Pflegerinnen halt mehr Kosten beschäftigt man *doch lieber* die sogenannten Bömischen.ich verstehe das gejammere nicht.Nehmt halt keine Bömischen und damit ist das Ausnutzen vorbei.Den Ausgenutzt werden sie auch bei uns. “UNSERE” genehmigen ihnen auch nur ein paar Stunden Freizeit :-(

  3. red_cat

    Ganz toll an diesem System finde ich auch, wegen ein paar Tänzerinnen hat das Finanzamt ganze Existenzen ruiniert.
    Eine selbständige Tänzerin darf keine Anweisungen bekommen (die sie auch nicht braucht) und auch keinen gratis Kaffee. Da frage ich mich schon wie das bei Pflegerinnen funktioniert.
    Selbständige Kursleiter von Firmen die Kurse für das AMS machen haben Angst Pausen zu machen weil sie vom AMS kontrolliert werden. Unter diesen Firmen auch eine die der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer Oberösterreich gehört, die zugleich ein Büro zur bekämpfung asozialer Dienstverhältnisse betreiben.

  4. BernhardAmann

    Lieber scio_nescio!
    Es ist nicht richtig, dass diese Agentur Arbeitgeberkosten zu bezahlen hat, da die Krankenpflegerinnen eine eigene Gewerbeberechtigung besitzen und somit für diese Agentur keinerlei weitere Kosten entstehen. Seriösere Vermittler stellen monatliche Kosten von €50.– und €70.– in Rechnung. Da das pflegende Personal monatlich €600.– verdient und nicht über das ganze Jahr anwesend sind, kassiert das Finanzamt Null Euro.
    Ich habe diese Sache genau recherchiert und mir liegt der Originalvertrag vor.
    Dass in Österreich horrende Lohnnebenkosten kassiert werden, ist leider Tatsache. Viele Kleinunternehmer und kleine Gewerbetreibende leben an und unter der Armutsgrenze, was die Statistik Austria beweist. Für mich auch unverständlich, dass hier die Politik einfach wegschaut.
    lg Bernhard Amann

  5. scio_nescio

    lieber bernhard!

    gehe mit vielem konform was du sagst und schreibst;

    aber bei diesem thema liegst du vermutlich falsch (vermutlich deshalb, weil ich die genauen details der anstellung jener erwaehnten pflegekraft nicht kenne);

    anyway - bekanntlich ist es in oesterreich so, dasz zu den erbrachten leistungen an einen dienstnehmer (da gehoeren auch telefonspesen usw dazu) noch einmal soviel an sozialversicherung faellig wird.

    da waeren wir - bei den geschaetzten nettokosten von euro 1.000 - bei insgesamt 2.000 euro gesamtkosten.

    der erwaehnte gemeinnuetzige verein hat dann ja auch noch sogenannte “overheadkosten” wie buero, sekretariat, fremdsprachige mitarbeiterInnen, die das pflegepersonal betreuen usw usw.;

    da scheinen mir euro 1922 fast schon zu tief gegriffen - auch wenn dieser betrag fuer die zu pflegende person in vielen faellen sogar eine unueberwindbare huerde darstellt.

    den skandal wittere ich ganz wo anders: bei den horrenden lohnnebenkosten in unserem geliebten staate oesterreich;

    ich selbst bin kleinunternehmer;

    aber wer weiss schon, dass ich fuer ein “netto-gehalt” von euro 2.000 im monat (12 mal im jahr, das entspricht einem nettogehalt von 1715 euro bei 14 gehaeltern) fast 60.000 euro jahrresgewinn machen muss (die differenz kassieren sozialversicherung und finanzamt);

    einem angestellten geht es uebrigens nicht anders, nur der sieht halt “nur” das nettogehalt….

    da du ja auch selbststaendig bist (ja ich schreibe selbststaendig, weil selbst und staendig bei der arbeit, bei mir 7-tage-woche, seit 11 jahren kein urlaub) - muestest du ja wissen, was man dir abzieht.

    und damit zurueck zum thema: die sauerei ist nicht, dass der genannte verein fast 2.000 eruo im monat verlangt, sondern dass der staat so viel kassiert, dass der helferin mit allen nebenleistungen nur 1.000 oder weniger euro bleiben.

  6. norgas

    Bernhard Amann übertreibt um aufsehen zu erregen. Im grunde genommen hat er aber recht. Es giebt keinen Grund einer ausländischen Betreuungskraft weniger zu behahlen als einer inländischen. Wir unser reichtum wird von anderen finanziert.

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