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Aus den Augen aus dem Sinn!

28.04.2010 | 9 Kommentare

Aus den Augen aus dem Sinn!

In unmittelbarer Nähe des Ex & Hopp in Dornbirn hat die Stadt ein Schulgebäude errichtet. Der Grund liegt darin, dass die Dornbirner Schulen saniert werden und diese Immobilie als Ausweichschule dient.

Im Dornbirner Bürgerforum äussert sich nun ein gewisser Herr Georg Bernhardt: “Ich finde es vollkommen untragbar dass ab Juni unsere Hauptschüler direkt in Kontakt mit den Nutzern des Ex & Hopp kommen. Drogen und Alkohol sind kein Umfeld für 10 - 16 Jährige. Dieser Zustand muss bis 31.Mai dauerhaft gelöst werden. Ich kann meine Kinder nicht in diese Schule schicken. Das gleiche gilt für den Spritzenautomat bei der HS Bergmannstrasse.”

Diese Reaktion ist typisch für das heimische Kirchturmdenken und begleiten mich seit Dekaden. Hier geht es nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Ursachen und Lösungsansätze. Vorarlberg hat bundesweit den höchsten Anteil an drogenabhängigen Menschen. Ursachen sind vielfach Gewalt in der Familie, Kindesmissbrauch und psychische Krankheiten. Diese Störungen lösen eine Unruhe und unerträgliche psychische Befindlichkeiten aus, welche mit der Einnahme von Medikamenten und illegalen Substanzen unterdrückt werden. Aus meiner Sicht ist diese Art der Selbstmedikation eine Überlebensstrategie. Aber hier legt die Ländlegesellschaft lieber den Mantel des Schweigens drüber. Stattdessen werden diese betroffenen Menschen öffentlich kriminalisiert, diskriminiert und disqualifiziert. Wir sind gerne jederzeit für eine offene Diskussion bereit und laden auch jene Menschen ein, die sich offensichtlich lieber hinter dem PC verstecken und ihre rhetorischen Elaborate von sich geben. Übrigens sind wir aufgrund der räumlichen Probleme (500 betroffene Menschen frequentieren unsere Stelle) schon seit 4 Jahren auf der Suche nach einer Alternative. Nun zeigt sich eine Lösung ab, sodass mit einem Umzug zu Beginn des kommenden Jahres gerechnet werden kann.

Als Obmann des Ex & Hopp kann ich nur deponieren, dass wenn die Bedenken des Herrn Bernhardt zutreffen würden, bereits halb Haselstauden süchtig sein müsste. Denn unsere Stelle befindet sich seit 1996 in der Dr. Anton Schneider Straße.

Euer Bernhard

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9 Kommentare

  1. 18oehmle78

    Das ex und hopp gibt es schon lange an der stelle—würde eher sagen daß das von der Stadt her nicht so gut überlegt war—und zweitens warum sollte das ex und hopp aufeinmal weichen? wegen der schule? und ihr redet das ihr keinen diskriminieren wollt?
    Muß Bernhard Amann recht geben —–Kirchturmdenken

  2. MCU

    Überempfindlichkeit.

    Ich habe nichts gegen diese große öffentliche “Elternbewegung” aber ich möchte schon sagen, einem Kind das Leben zu schenken, das ist mehr als ein Paar Minuten Spaß und eine Schmerzhafte Geburt für die Frau.

    Wer öfters mal Bus oder Zug fährt, und das ganze Handy-Getue ein bisschen mitbekommt, der weiß “wie weit” viele Kinder schon sind. Gewalt, Sex, Hardcore Pornos, Kriegs und Schlachtszenarien, Mafiaspiele usw. Ich will das garnicht verteufeln, weil es einfach so ist, nur wenn man dann im gleichen Atemzug so tut, als sei die Jugend auf einen Schlag verdorben, weil sie irgendwo mit den Wahrheiten des Lebens konfrontiert werden, das ist doch schon etwas Heuchlerisch.

    Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, sich ab und an seiner Kinder anzunehmen, und die Erziehung nicht ausschließlich Youtube und Ego-Shooter zu überlassen.

    Viele Eltern aber auch Kinder die heute im Kopf auch weiter sind als früher müssen einfach auch eine gewisse Eigenverantwortung mitbringen, es ist gefährlich wenn man schon damit aufwächst dass immer andere an der eigenen Misere schuld sind, so nach dem Motto wenn ich mit Drogen in Kontakt komme ist die Beratungsstelle Schuld, wenn ich 1x Wöchtenlich einen Vollrausch habe, dann liegts an der Supermarktkassiererin, oder am Wirten, wenn ich zu Fett bin dann ist der Metzger Schuld der mir den Leberkäse verkauft usw… Das führt nirgendwo hin.

    Gruß

  3. flippflopp

    Hallo

    Auch ich muss meinen Komentar dazu abgeben. Ich kenne einige Jugendliche die Drogen nehmen, bzw. nahmen. Alle diejenigen wissen wie schwer es ist ein Leben als Süchtiger zu führen und es schwer ist da wieder raus zu kommen.Zum Glück gibt es Institutionen wie das ex und hopp, Fähre usw. Darum werden Süchtige niemals Kids dazu verführen Drogen zu nehmen. Das sind eher die Dealer die die Kids dazu bringen, und diese findet man bestimmt nicht bei den Einrichtungen. Und Dealer findet man überall, sei es in einem Park, Haltestellen, Lokalen usw. Man müsste seine Kinder überall hin begleiten um sie den Gefahren nicht auszusetzen. Das ist nicht möglich!
    Andereseits ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass das z.B. ex und hopp so nah an einer Schule grenzt. Denn da sehen die Kinder direkt was da abläuft und es sicher keine schöne Sache ist.Meiner Meinung nach machen sie einen Bogen weil sie sich vor dem fürchten. Zu Hause frühzeitig über diese Sache aufzuklären wäre befürwortent.
    Zum Schluss noch……..Drogensüchtige sind keine schlechten Menschen!!! Warum spricht man nie über Alkoholkranke die Kinder gefährden könnten?

  4. Sandino190779

    Sehr geehrter Herr Amann, lieber Bernhard!

    Ich erinnere mich noch gut als, vor ca. 10 - 15 Jahren, die Drogenberatungsstelle in Feldkirch in der Naehe vom Bahnhof sowie in 200 m Entfernung der HS Feldkirch-Levis errichtet wurde. Besorgte Eltern wollten mit allen Mitteln die Beratungsstelle verhindern. Diskussionen und Gespraeche mit Fachleute, Eltern von Drogenkranke, LehrerInnen sowie die verantwortliche Stadtpolitiker, führten dazu, dass die Drogenberatungstelle in Feldkirch inzwischen als notwendige Einrichtung anerkannt wird.
    Die inzwischen tausenden SchülerInnen der HS Felkirch-Levis welche seit Bestehen dort vorbeigegangen sind, wurden und werden sicherlich mit dem Problem Drogen befasst, jedoch sicherlich nicht dazu verführt Drogen zu konsumieren.
    Das Elend ist zu gross um die Drögeler als Vorbild zu sehen.

  5. Jokees

    Als Betroffener kann ich den Damen und Herren nur sagen sie machen einen riesen Wirbel um die falsche Sache! Ich bin nicht in diese Szene abgerutscht weil in der Nähe meiner Schule Süchtige waren! Nein, ich wr neugierig und habe diese Orte selber aufgesucht! Ich kenne niemand der von jemandem anderen zum Drogenkonsum gezwungen wurde! Schauen sie darauf was ihre Kinder tun, damit sie früh genug bemerken, wenn etwas nicht stimmt!

  6. BernhardAmann

    Sehr geehrte Herren!
    Ich lasse gerne andere Meinungen gelten. Das Haus der jungen Arbeiter hat eine völlig andere Funktion als unsere Stelle. Auch deckt sich unser Klientel nicht mit den dortigen Bewohnern. Nur ein kleiner Teil der drogenabhängigen Menschen, welche wir betreuen, wohnt - und das auch nur temporär - dort. Wir haben ja in den letzten Jahren erfolgreich in Zusammenarbeit mit der Stadt andere Wohnalternativen für unsere Klienten vermittelt.
    Wir haben uns wie gesagt schon seit Jahren um eine räumliche Lösung bemüht. Gescheitert sind wir nicht an den Einsprüchen der jeweiligen Nachbarschaft, sondern wegen den völlig überteuerten Mietkosten. Auch wäre es notwendig gewesen, erheblich finanzielle Mittel in bauliche Veränderungen zu investieren. Dass hier der Fördergeber - das Land Vorarlberg - nicht einverstanden war, kann ich nachvollziehen.
    Daher ist die Variante einer Neuerrichtung die kostengünstigste.
    Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden jedenfalls die Situation um das Haus laufend beaufsichtigen. Ansprechpartner sind permanent vor Ort.
    Ich lade Sie auch gerne jederzeit zu einem Gespräch ein.
    mit freundlichen Grüßen:
    Bernhard Amann

  7. Clara85b

    Sehr geehrter Herr Amann,

    auch in Städten und anderen Ländern sehen Eltern es ungerne wenn ihre Kinder mit Drogensüchtigen in Kontakt kommen - das ist kein Kirchturmdenken.

    Ich selbst lebe in einer Großstadt und meide jegliche Stelle an der sich Drogensüchtige aufhalten und falls ich solche Orte passiere, sehe ich dort keine Omas, Kinder, oder sonstige Personen die nicht dem Umfeld zuzuordnen sind. Jeder den ich kenne macht einen Bogen um diese Leute - na prost Mahlzeit wenn sie sich gezwungenermaßen in der Nähe von Jugendlichen aufhalten.

    Trotzdem habe ich natürlich großen Respekt vor Menschen für Rauschgiftsüchtige da sind!

  8. GeorgBernhardt

    Guten Tag Herr Amann,

    Sie vereinfachen hier diesen Sachverhalt entschieden.
    Dass das Ex & Hopp vor 14 Jahren in neben einer alten Fabrik und in einer relativ verlassenen Umgebung startete ist eine Sache.
    Dies ist jetzt anders.

    Direkt neben an werden ab kommendem Monat hunderte Schüler und Kindergärtler täglich ein und ausgehen. Es ist mehr als zweifelhaft wenn diese Kinder dann direkt in den Kontakt mit ihren mehr als 500 Klienten treten.

    Viele Grüße,
    Georg Bernhardt

  9. dornbirn11

    Sehr geehrter Herr Amann´,

    ich teile auch das Bedenken der Herrn Bernhardts und Sie als Politiker müssen auch andere Meinungen gelten lassen. Sie haben nicht die Weisheit mit den Löffel gegessen, bei Gott nicht!!! Warum kann man nicht den Umbau des Hauses der jungen Arbeiter nutzen und die Stelle intergrieren?

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