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Christoph Schlingensief Quo Vadis!

27.08.2010 | 2 Kommentare

Mit den Ableben des Theater- und Filmregisseurs Christoph Schlingensief verliere ich einen Freund und langjährigen Weggefährten.
Er war ein Mensch, welcher sich zeitlebens für die Selbstermächtigung Benachteiligter engagierte und dies auch in seinen Kunstprojekten praktizierte. Bei Christoph gab es kein “Oben” oder “Unten”, sondern er begegnete den Menschen immer auf Augenhöhe. Seine Aktivitäten galten jenen Menschen, welchen von sogenannten “Hilfsorganisationen” (Psychiatrie, Behinderteneinrichtungen, Fremdenpolizei, Gefängnissen und anderen Absonderungsanstalten) ihrer Menschenwürde beraubt wurden. Ihre Geschichte stand stets im Fokus seines Schaffens. Er reflektierte mit seinen Projekten die Brutalität der Staats- oder Medizingewalt, was ihm den völlig ungerechtfertigten Ruf einer maßlosen Übertreibung einbrachte. Denn diese Brutalität ist Alltag. Moralischer Antirassismus (wie u.a. bei kirchlichen
Institutionen) lehnte er kategorisch ab. Er setzte in seinen Inszenierungen auf den politischen Antirassismus. Die Betroffenen stehen im Mittelpunkt und geben Zeit und Inhalte vor. Mit diesem Durchleben der eigenen Betroffenheit setzte er Selbstheilungskräfte in Gang, welche zur Befreiung und Emanzipation beigetragen haben. Er war fest der Überzeugung der Fähigkeiten und Kompetenzen dieser von der Öffentlichkeit marginalisierten Menschen und wurde nicht enttäuscht.
Ein Gräuel waren Christoph beliebige und willfährige Politiker mit ihren dumpfen Verwaltungsapparaten. Hier kannte er keine Gnade und warf ihnen den Spiegel ins Gesicht. Der Selbstheilungseffekt war bei dieser Community enden wollend.
Andererseits erlebte ich Christoph als sehr feinfühligen Menschen. Er war auch immer zur Stelle, wenn Unterstützung gebraucht wurde. Und dies trotz seiner vielen Engagements.
Gibt es ein Leben nach dem Tode bin ich mir sicher, dass er bereits an seinem nächsten Projekt arbeitet.

Euer Bernhard

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2 Kommentare

  1. burttt

    christoph, requiescat in pace.
    er hat die tv-landschaft verändert, zumindest für kurze zeit mit u-3000 bspw. und menschen mit dreck am stecken vor den kopf gestossen, was sich viele nicht trauen.
    du bist zu früh gegangen. aber du hast viele menschen inspiriert. danke.

  2. Matrixx

    R.I.P. Christoph … seine Werke werden weiterleben

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