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Grobe Benachteiligung unserer Kinder!

09.09.2010 | 6 Kommentare

Ich halte die Sommer-Diskussion um die Landeskompetenz über die Lehrer für eine Vertuschung der realen Ungerechtigkeiten gegenüber Vorarlbergs Kindern. Zum einen werden die Kinder Vorarlbergs jetzt schon am meisten durch das Vorarlberger Schulsystem benachteiligt.

Allein in diesem Jahr 2010 ist die Zahl der sehr kleinen Gruppe der Vorarlberger Maturanten um ein weiteres Fünftel gesunken und sind selbst von diesen “handverlesenen” KandidatInnen österreichweit am meisten eben in Vorarlberg durchgefallen. Hielte dieser Trend des Jahres 2010 - die Vorarlberger Kinder von einer besseren Ausbildung buchstäblich auszusprren - an, dann gäbe es in fünf Jahren gar keine eigenen Vorarlberger Mittelschüler mehr und keine Vorarlberger mehr im tertiären Bildungssektor.
Dabei sind die skandalösen Missstände um die Zulassung zu Vorarlbergs Mittelschulen und Gymnasien, zur Abwicklung der Matura, nur die Spitze des Eisberges. Statistisch erwiesener Fakt ist nämlich auch, dass wir auch seit Jahrzehnten - !!! - österreichweit überdurchschnittliche hohe Outdrop- und Durchfallerzahlen sogar in der ständig hochgelobten beruflichen Lehre haben. Zudem schiebt Vorarlberg am häufigsten - seine eigenen Kinder! - in die Sonderschule ab. Folge ist damit auch die Tatsache, dass Vorarlberg den höchsten Anteil an ungelernten Arbeitnehmern hat. Keine Zukunftsvision, ist es doch eine arbeitsmarktpolitische Binsenweisheit, dass diese Gruppe am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen ist.

Das muss nicht sein. Wenn die Vorarlberger Landesregierung ihre eigene Forderung über die Hoheit über die Lehrer ernst nähme, dann wäre der erste Schritt, die ersten Lehrer der kleinsten und noch neugierigsten Vorarlberger, die KindergärtnerInnen in den Landesdienst zu übernehmen. Das läge in der ausschließlichen Macht des Landes Vorarlberg und wäre nicht nur ein erster Schritt, ein Beitrag zur Chancengleichheit aller Vorarlberger Kinder auf dem Schul- und Bildungssektor, sondern zudem eine wirksame und gerde eben notwendige organisatorische und finanzielle Entlastung der Gemeinden.
Ich halte den Streit um die Landeskompetenz über die Lehrer sowieso für einen Streit um des Kaisers Bart und fordere für die Schulen endlich das “Ende der Kreidezeit”. Moderne Bildungspolitik wird sich nämlich in Zukunft außerhalb der (Schul-)Mauern abspielen und deshalb sind ganz andere politische Entscheidungen zu treffen. So sind als erster kleiner Schritt in diese zukunftsträchtige Richtung, die öffentlichen Hochschulen in Vorarlberg (Fachhhochschule, Pädagogische) anzuhalten, dass ihre aus allen Steuergeldern bezahlten Lehr- und Lernunterlagen, ihre Skripten, Vorlesungen und Vorträge als Open Access und Open Source online gestellt werden, damit auch die bisher über Jahrzehnte benachteiligten Kinder und Vorarlberger Bürger endlich Zugang zu notwendiger Aus- und Weiterbildung in zukunftsträchtiger Form erhalten. Schließlich sind es ja auch sie, welche diese mit ihrer Arbeit bezahlen müssen und bereits bezahlt haben.

Euer Bernhard

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6 Kommentare

  1. Heckmeck

    Super Idee, die Materialien der Vorarlberger Hochschulen öffentlich zu machen! Ein tolles Weiterbildungsinstrument.

  2. lausbuasigi

    musste grad bisschen lachen :D …..also denke nicht das die Kinder im Kindergarten ungleich behandelt werden. Zu der Maturantenstatistik. Da könnt ich jetzt grad wetten das die, die nach der Lehre oder nebs der Lehr die Berufsmatura machen einen sehr guten Abschlussschnitt haben. Bin also auch jemand der die Lehre hochlobt ;)abgesehen davon das ohne die guten Facharbeiter grosse Betriebe (muss man nicht alle aufzählen)wahrscheinlich nicht mehr bei uns wären sondern ihre Sitze ins Ausland verlagert hätten.

    Das ist wirtschafliches Denken. Das gibt Kohle und ohne die würds uns wahrscheinlich nicht so gut gehen….gut man müsste dann halt paar Stellen bei den Behörden kürzen :D fänd ich persönlich gar nicht soooo schlecht. Für Leute die Drogen legalisieren wollen hätt ich persönlich sowieso keinen Platz.

    Gymnasium ist ganz einfach veraltet. Wieviel Leute schliessen dort ab, wissen nicht was machen, haben nur Allgemeinwissen, wechseln dann in irgendein Studium (meist Psychologie hehe)und finden danach auch keinen Job gut vielleicht bei Papi in der Firma. Also dass kann nicht das Ziel sein.

  3. kugelmugel

    @ v_berger

    “Zuerst in die Hauptschule und schon geht es los mit dem Start ins Leben aus der zweiten Startreihe!”

    ????

    was wird einem schüler durch 4 jahre hauptschule verbaut? nach 4 jahren hauptschule können genügend schulen bis zur matura besucht werden (eine gewisse leistung des schülers sei mal vorausgesetzt):

    - HAK
    - HTL
    - BORG

    ihre argumentation kann ich nicht verstehen….

  4. fugaysia

    Hey Pepi6
    …aber ich glaube sie sind Christ, daher ist Logik nicht gerade ihre Stärke. Bitte um Verzeihung, harte Worte sind sonst nicht meine Art.

  5. v_berger

    Immerhin hat sich ja das saubere Ländle auch immer gegen eine eigene Universität gewehrt, freie Denker sind nun mal im Ländle nicht sehr erwünscht.

    Alleine meine Tocher ist bereits Grund genug unseren Landespolitikern kräftig den Marsch zu blasen!

    Meiner Tochter wurde der Zugang zum Gymnasium verwehrt (Begründung: 2 Zweier im Zeugnis sind zuviel um einen Platz am Gymnasium zu bekommen). Also ab auch die Warteliste, sie hatte Glück, andere Schüler sprangen ab und sie kam dann doch noch an die Schule ihres Wunsches und wird inzwischen bald maturieren.

    Ohne Glück wäre es aber ganz anders gelaufen! Zuerst in die Hauptschule und schon geht es los mit dem Start ins Leben aus der zweiten Startreihe!

    Was übrigens die vorarlberger Mittelschule betrifft: eine Lachnummer für sich, mehr ist das nicht!

    Aber die Grundeinstellung der ÖVP zu diesen Themen ist ja bei einem Interview eines wiener Jung-ÖVP’ler bestens ans Tageslicht gedrungen: Man will nicht mit Schülern aus anderen sozialen Schichten in der gleichen Schule sitzen!

  6. GibsonLP

    Naja…
    Vielleicht ist der Vorarlberger im Schnitt einfach dümmer, als andere Österreicher…

    Klar, kann man sagen, dass wenn hierzuländle die meisten durchfallen, dass das Schulsystem schuld trägt…
    Ich selbst denke dass österreichweit einiges zu richten ist, aber es ist wie immer eine Münze mit zwei Seiten.

    Lehrer … Schüler… Lehrer… Schüler… wer hat nun “Schuld”?
    Die Wahrheit liegt wohl dazwischen, aber nur dem Schulsystem den schwarzen Peter zuzuschieben ist verkehrt.

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