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Vorarlbergs Bauern vor der Zinsknechtschaft

27.10.2010 | 3 Kommentare

Ein für Vorarlberg besonders schlimmen Sachverhalt tut sich im Grünen Bericht 2010 für die Vorarlberger Landwirtschaft auf.

Ein Vorarlberger Landwirt hat Monat für Monat fast 500 Euro, genaugenommen 476,75 Euro nur an Zinsen für Fremdkapital zu bezahlen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb in Tirol - doch einigermaßen vergleichbar, muss für Fremdkapitalzinsen um 400 Euro weniger monatlich erwirtschaften und hat lediglich 75 Euro monatlich dafür zu bezahlen. Der Verschuldensgrad ist in Vorarlberg bundesländerweit am höchsten, dreimal so hoch wie in Tirol, die monatliche Zinsbelastung allerdings 6 mal so hoch wie in Tirol.

Daraus kann man sich rasch ein Bild über die Rückzahlungsverpflichtungen machen, denn mit den Zinsen allein wird sich wohl keine Bank zufrieden geben. Zwar werden die Gescheiten des Landes gleichzeitig auf die Aktiva verweisen, doch in der Krise gelten andere Bewertungspraxen, die rasch zur Überschuldung führen können. Der Vorarlberger Politik ist der Vorwurf zu machen, dass sie bei der Setzung der Investitionsanreize nicht auf die Vernünftigkeit und Finanzierbarkeit geachtet hat und natürlich auch den Unsinn breitgetreten hat, dass es besser sei zu “investieren” als Steuern zu zahlen. Weil die vom Land Vorarlberg geleisteten Investitionszuschüsse österreichweit die höchsten sind, sind sie so verlockend. Natürlich braucht es zur Erlangung dieser Zuschüsse weiteres Kapital, das logischerweise auf dem Kreditwege besorgt werden muss. Ein Forschungsbericht der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft sagt es so:

“In Vorarlberg liegt der Anteil von ausschließlich national finanzierten Maßnahmen der ländlichen Entwicklung mit 32,8 % der Budgetausgaben (2007) weit über dem österreichischen Durchschnitt von 13,8%. Von diesen 24,8 Mio. Euro werden 86% aus dem Landesbudget und 14% vom Bund aufgebracht.”

Das führt nun in eine neue Leibeigenschaft und die Menschen haben sich damit aus der ertragsabhängigen und somit kalkulier- und leistbaren Steuerpflicht in eine einkommensunabhängige und damit in Krisen nicht mehr leistbare Rückzahlungs- und Zinsenverpflichtung begeben. Dass dies der Grund ist, ist auch rasch bewiesen: Für einen Vorarlberger landwirtschaftlichen Betrieb müssen jährlich 31.000 Euro an öffentlichen Subventionen geleistet werden, der Tiroler Betrieb erhält nicht einmal die Hälfte.

Den Betroffenen ist nicht der Vorwurf zu machen. Den Vorwurf trifft die angeblich so wirtschaftsfreundlichen Mandatare im Landtag und die Vorarlberger Landesregierung die im Grunde für das blöde Geschwätz vom bösen Finanzamt und den Vorteilen der Investitionstätigkeit beinahe ausschließlich als “vertrauenswürdige” Quelle dienten. Nun ist aber wieder der Steuerzahler gefragt, um die Folgen dieses Geschwätzes zu tragen, um Bauern aus einer neuen Leibeigenschaft und Zinsknechtschaft zu retten.

Euer Bernhard


Quelle: Grüner Bericht 2010 http://www.gruenerbericht.at/cm2/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=418&Itemid=27

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3 Kommentare

  1. deluxe

    Beide zu gleichen Teile schuld. In die Bauern wird mehr als genug Geld investiert. Man kann sich halt nur bis zur Decke Strecken. Weiters tuts der Bank nicht weh wenn sie ihr Geld nich bekommen da sie nur Geld verleihen was sie gar nicht besitzen! 2008 machte die RAIBA 2Mrd. Gewinn und zahlte Schlappe 1% Zinsen nähmlich 2 Millionen. Die Lösung ist woanderst zu suchen nicht was falsch gemacht worden ist sondern was geändert werden muss. Ich für meinen Teil bin für die Auslosung der Landtagsmitglieder so könnten wir der freunderlwirtschaft den gar ausmachen!

  2. Landrat

    Erschreckend und eigentlich kann man das gar nicht glauben, wenn es nicht wieder so gut und zweifelsfrei dokumentiert wäre. Dieses Weblog und dieser Informationsstil sollte Schule machen.

  3. georgedablju

    “doch in der Krise gelten andere Bewertungspraxen”

    Hr. Amann kann wohl nicht unterscheiden zwischen “Bewertungspraxen” und “Wert”. die art der bewertung ist dieselbe, nur der wert kann sich ändern.

    ob sich bauern in leibeigenschaft des giebelkreuzes begeben ist deren freie entscheidung. um strukturbereinigungen zu erreichen müssten die subventionen reduziert werden.

    ansonsten wünsche ich den bauern kleinere traktoren was auch billiger wäre

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