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Vorarlbergs Schulinspektoren kann man getrost einsparen

08.11.2010 | 3 Kommentare

Als die ehemalige Vorarlberger Schullandesrätin Elisabeth Gehrer Unterrichtsministerin wurde, tat sie beileibe nichts dazu, dem Propagandaslogan “Bildungsland Vorarlberg” Ehre zu machen. Vielmehr kursierte in Österreich der Schüttelreim “Ob es einen Lehrer git, der die Liesl Gehrer liebt”.

Natürlich haben die Lehrer Ministerinnen die ihnen die Unterrichtsstunden kürzen ebenso wenig gern als jene, welche ihnen Mehrstunden verordnen wollen. Aber der Unterschied zwischen den beiden Ministerinnen, der EX, Elisabeth Gehrer und jetzigen Dr. Claudia Schmied ist gewaltig. Die erstere hat die Unterrichtsstunden gekürzt und damit die Förderung unserer Kinder verkürzt. Letztere wollte - freilich um dasselbe Geld - immerhin, dass unsere Kinder mehr betreut und gefördert werden.

Die Mängel im Vorarlberger Unterrichtswesen sind allerdings wegen der verkarsteten Vorarlberger Schulpolitik geblieben, die da lauten:

- Wir haben seit 1971 fast durchgängig die meisten Durchfaller bei der Lehrabschlussprüfung.
- Wir haben die geringste Zahl an Maturanten, die heuer nochmals um 20 % gesunken ist.
Bei uns fallen trotz der handverlesenen KandidatInnen am meisten bei der Matura durch.
- Wir haben den höchsten Anteil an Schülern in sonderpädagogischen Einrichtungen, wiewohl dies rechtswidrig ist und der UN-BehindertenKonvention widerspricht.
- Wir haben die höchste Zahl an Arbeitnehmern, die keine abgeschlossene Ausbildung haben, und es ist eine Binsenweisheit, dass diese Gruppe am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen ist.
- Wir haben die größten Mängel in der Kinderbetreuung und beim Mittagstisch.

Aber das sind “nur” ein paar statistische Befunde der Statistik Austria, der ehemaligen statistischen Zentralanstalt der Republik Österreich.

Was von Eltern, Schüler und Lehrern berichtet wird, das schlägt dem Fass gänzlich den Boden aus. Man versucht Kinder von der Mittagsbetreuung fernzuhalten. Sie konsumieren ihr Mittagsessen in Abstellkammern und haben weder Lesestoff noch Sportgeräte in der Mittagspause zur Verfügung. Die Kinder können noch in der Hauptschule nicht die Grundrechenarten, Die Lehrausbilder beschweren sich über die mangelnden Rechenkenntnisse (übrigens häufiger als über Sprachschwierigkeiten!) Dazu kommen ausgefallene Schulstunden wo Kinder unbetreut bleiben, Frontalunterricht wie vor hundert Jahren, und, und, und, … Nicht zu vergessen die Schulöffnungszeiten: Fahrschüler müssen zur Sommerzeit mancherorts schon um fünf Uhr früh MEZ aus den Federn, nur damit sie dann am Nachmittag unbetreut sind und die Schulen leergeräumt sind.

Und auch bei den Schulveranstaltungen scheint sich noch nicht überall durchgesprochen zu haben, dass die Krise die Einkommensverhältnisse der Eltern geschmälert hat und auch dort Sparsamkeit angesagt wäre. Häufig treten diese Missstände nur deshalb nicht in aller Schärfe so zutage, weil sich LehrerInnen weit über ihre Verpflichtungen hinaus bemühen, die Defizite der Vorarlberger Schulorganisation zu mildern.

Sie glauben das alles nicht?

Na dann ein anderer unzweifelhafter Beleg, den man auch ganz ohne Pädagogikstudium richtig bewerten kann. Im Rahmen des Schulobstprogrammes werden seit 2009/2010 von der Europäischen Kommission 50 Prozent der Kosten für frische Obst- und Gemüsekisten übernommen. Für das Schulobstprogramm wird EU-weit pro Schuljahr ein Gesamtbudget von 90 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Am Schulobstprogramm nehmen heuer - trotz dieser EU-Finanzspritze - von den 166 Vorarlberger Volksschulen nur 26 teil. Kein Zeichen für Engagement, gesunde Ernährung und Absatzförderung für unsere Obstbauern.

Schulinspektoren abschaffen und die Eltern ermächtigen

An sich haben wir eine Schulaufsicht, welche dafür zuständig wäre, Mängel festzustellen und zu beheben. Zumindest sollten sie Statistiken lesen und mit Maßnahmen gegensteuern können. Solange aber diese Posten nur mit Parteibuch aus der Standesvertretung der Lehrer besetzt wird, wird dies auch in Zukunft nicht funktionieren. Man kann also diese Einrichtung im Zuge der Budgetsanierung als Verwaltungsreform einsparen. Dafür sollte man die Direktoren von den Eltern wählen lassen und die Schulen kooperativ durch Lehrer und Eltern gemeinsam führen lassen.

Und wer darauf nicht warten will, dem eröffnet sich wenigstens mit dem Bildungsvolksbegehren die Möglichkeit, sich gegen die für unsere Kinder nachteilig auswirkende politische Landeskompetenz und für ein modernes Bildungssystem für unsere Kinder auszusprechen.

Quelle:
Schulobstprogramm 2010
http://www.laendle.at/fileadmin/assets/News_und_Veranstaltungen/2010-10-06_PA_Schulobst_LANGTEXT.doc

Euer Bernhard

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3 Kommentare

  1. schweizerkas

    Die Vorarlberger Eltern sind wohl auch bei den Kosten für Nachhilfeunterricht Spitzenreiter in Österreich. Wofür eigentlich die Schule zuständig wäre, müssen die meisten Eltern für Nachhilfe horrende Kosten hinblättern.

    Häufig herrscht die “Vogel-friss-oder-stirb”-Methode und nur selten gehen Lehrkräfte in den BHS verständnisvoll auf vorhandene Schwächen ein. Durch eine Fülle von Tests und Prüfungen wird den Kindern gezeigt, dass sie eigentlich nichts können. Motivation, Weckung von Neugier und Interesse an Bildungsinhalten: Fremdwörter!

    In einer mir bekannten BHS sind seit drei Jahren über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler auf der Strecke geblieben. Schule entweder verlassen oder Klasse wiederholt, meist völlig unnötig und - extrem teuer!

    In der Fremdsprache Spanisch musste in der Klasse, die meine Tochter besucht, jede zweite schriftliche Klassenarbeit wiederholt werden, weil mehr als die Hälfte der Prüflinge mit “Nicht genügend” beurteilt wurden.

    Es stimmt, nicht nur die Bezirksschulinspektoren könnten ersatzlos nach Hause geschickt werden, sondern mit ihnen der gesamte Bezirksschulrat! Dafür den Direktorinnen und Direktoren mehr Kompetenzen bei Personalentscheidungen und in finanzieller Hinsicht! Sonst bleibt Österreichs Bildungswesen endgültig auf der Strecke.

  2. Landrat

    Die Vorarlberger Schulpolitik will billige Hilfsarbeiter erzeugen.

  3. annanas

    Wirfst du da nicht Äpfel und Birnen und faules Obst vergangener Jahre in deinen Obstkorb?

    Hast du noch gar nicht bemerkt, dass es seit ein paar Jahren die Vorarlberger Mittelschule mit dem Ziel gibt, mit neuen Unterrichtsformen den einzelnen Kindern gerecht zu werden? Noch nicht bemerkt, dass die Vorarlberger da österreichweit ganz vorne dabei sind? Noch nicht bemerkt, dass dies der Initiative von (zwei) engagierten Schulinspektor(inn)en zu verdanken ist. Ja stimmt schon, so ganz perfekt läuft das noch nicht.

    Aber deine Art, alles unreflektiert in einen Topf zu werfen, finde ich schlicht….

    Naja, immerhin hast du auch schon die Lösung parat: Schulobst.

    Berny for president (oder lieber Direktor?)

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