Home / Allgemein / Schruns prolongiert Jugendvertreibung!

Schruns prolongiert Jugendvertreibung!

25.01.2011 | 5 Kommentare

In den vergangenen Jahren wurden öffentliche Räume von den Kommunen sukzessive privatisiert oder polizziert. Mit den sogenannten „Verordnungen zum Schutz öffentlicher Flächen“ wird den Menschen das Recht auf Nutzung der „Allmende“ genommen. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sind von diesen nicht nachvollziehbaren Verordnungen betroffen. Dabei sind diese Flächen öffentliches Eigentum in dem jeder Mensch das Recht auf Zugang, Verweilen und Nutzung hat.

So lese ich in einer dieser fragwürdigen Verordnungen unter anderem, dass das Betreten der Grünflächen, das Erklettern von Bäumen, Ball-, Wurf- und andere Spiele, das Musizieren, das Einbringen von Glasgebinden verboten ist. Geschweige denn von Alkoholkonsum und kleinen Festen. Kürzlich hat sich bei mir eine junge Dame gemeldet, welche eine Glasflasche im Rucksack mitführte und dafür eine Geldstrafe aufgebrummt bekam. Es ist an Absurditäten und Widersprüchlichkeiten nicht zu überbieten. Einerseits fordert man die jungen Menschen auf, sich kreativ und sportlich zu betätigen, andererseits belegt man die öffentlichen Örtlichkeiten mit Verboten und Auflagen, welche gerade solche Aktivitäten verhindern.

Hie und da gibt es „von oben verordnete“ Pseudoprojekte, bei welchen junge Menschen den öffentlichen Raum für Aktionen nutzen und ihre Kreativität beweisen dürfen. Natürlich entsprechend strukturiert und pädagogisiert. Dann ist wieder lange Zeit Schluss mit lustig. Die Ergebnisse werden ins politische Schaufenster gestellt, und damit suggeriert, dass doch etwas getan wird.

Dabei findet mit diesen – aus meiner Sicht verfassungswidrigen - Verordnungen eine regelrechte Vertreibungspolitik statt. Menschen, welche nicht der genehmen Norm entsprechen, werden kriminalisiert und per „Gesetz“ entfernt. Begleitend dazu mit den mir immer wieder berichteten üblichen „netten“ Umgangsformen der dafür zuständigen Überwachungsorgane.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist die Devise. Denn die Kommunen setzen sicherheitspolitische Erwägungen vor eine längst fällige offene Auseinandersetzung/Diskussion mit den betroffenen Menschen.

Gerade die Gemeinde als unterste politische Ebene steht im unmittelbaren Kontakt mit den Bürgern und Bürgerinnen. Damit hat sie auch die Verantwortung für alle dort lebenden Menschen. Mit den „Verordnungen zum Schutz öffentlicher Flächen“ findet eine quasi Enteignung des öffentlichen Guts statt und schließt einen Teil der Bevölkerung aus. Offensichtlich ist der „Schutz“ öffentlicher Flächen wichtiger als die persönliche Freiheit.

Für mich sind öffentliche Plätze Betätigungfelder in denen sich das Leben einer Gemeinde widerspiegelt und auch die Verschiedenheit der Kulturen und ihrer Menschen zum Ausdruck kommt. Die Voraussetzung dafür ist ein niedrigschwelliger Zugang. Anpassungs- und Wohlverhaltensregeln mit Sanktionen sind der denkbar schlechteste Weg für eine Politik der Integration und Inclusion.

Euer Bernhard

Diskussion verfolgen

5 Kommentare

  1. Ronin26

    Offensichtlich scheint es aber notwendig, solche Verordnungen zu erlassen. Denn immerhin nehmen Sachbeschädigungen - insbesondere Vadalismusschäden unter Alkoholeinfluss - deutlich zu!
    Wenn es nur ein paar Leute wären, die ihr gemütliches Bier an der Sonne genießen würden, wäre eine solche Sanktion sicher nicht notwendig. Aber leider ist es doch so, dass es regelrechte Saufgelage sind.
    Die Folgen: Der Unrat liegt ständig herum, Glasflaschen werden zerschlagen, Betrunkene urinieren mitten auf den öffenlichen Plätzen und ständig kommt es zu Streitigkeiten und zum Anpöbeln/Anbetteln von anderen. Dafür habe ich genau GAR KEIN Verständis!
    Noch weniger Verständnis habe ich dann dafür, dass öffentliches Gut (unser aller Gut) sinnlos kaputt gemacht wird!

    Ich finde die Kritik, dass in Schruns (und sicher nicht nur dort) zu wenig Jugendarbeit gemacht wird, sehr gut. Und auch, dass Jugendarbeit oft nur Einzelaktionen sind. Dabei gäbe es soviele gut Beispiele im Land - zB. das Westend von Jutta Mittelberger in Bregenz!! Aber auch dort geht es nur mit einem ganz klaren Regelwerk…

  2. Virushoch3

    und wem haben wir das zu verdanken?
    offensichtlich ein paar wenigen Randalierern, welchen man scheinbar nicht Herr wird. Schon etwas primitiv die ganze Sache.

  3. ganaggi

    ich selbst habe einen 16-jährigen sohn in schruns, und was offene jugendarbeit in schruns betrifft? ? ? “fehlanzeige”! einmal in der woche hat das JAM geöffnet und das für ein paar stunden, wo bitte sollen den die jugendlichen hingehen? nirgens erwünscht kann ich gut nachvollziehen, dass einige ihren frust auslassen, vielleicht sollte man den hebel wohl da ansetzten!

    aber es war ja schon immer so in schruns, auch wir waren damals nirgends erwünscht und auch wir mussten uns an öffentlichen plätzten aufhalten! sommer und winter ein “armutszeugnis” für eine gemeinde wie schruns!
    und jetzt meinen die herren von der gemeinde, dass mit dieser alkohol-regelung alles in butter ist?

    einfach einmal generell alle bestrafen!!!!!

    wer bitte gibt ihnen das recht das zu tun!???

    auch wir ( ältere generation!!! ) sitzten ab und zu an der ill um uns zu erholen und die natur zu geniessen!
    ich persönlich arbeite und texte gerne an der ill, und viele songs von krauthobel sind dort entstanden!
    und auch wir trinken dabei das eine oder andere bier und grillen, manche haben instrumente dabei, alles im rahmen!

    niemand wird mir das verbieten, NIEMAND!!!!

    sollen sie mich doch abstrafen! möchte sowieso wissen wie und wer das überhaupt mit welchem recht ahndet???

    tut euch zusammen! jung und alt!! wir dürfen uns nicht entmündigen lassen!
    denn bald sagen sie uns noch zu welchem frisör wir gehen müssen!

    schreibt an die gemeinde eure wünsche und hoffnungen, es muss einen anderen weg geben als nur verbote auszusprechen!

    wir haben hier eine tolle jugend auf die wir stolz sein können, sie sind unsere zukunft und die tritt man nicht mit füssen!!!

    noch etwas: wenn die von der gemeinde und der polizei schon wissen wer diese randalierer sind, …
    dann bitte,…. straft die ab!!!!
    aber schmeisst nicht alle in den gleichen topf!!!

    ich auf jeden fall werde mir das nicht gefallen lassen!
    und ich hoffe ihr tut das auch nicht!

    ansonsten gibts eine unterschriften-aktion,
    meine auf jeden fall habt ihr,……

    jury, ( krauthobel )

    PS: wer ist für dieses miese foto zuständig!

  4. bacchus1at

    Fahr mal von etwas ausserhalb zum Dornbirner Bahnhof, kauf dort beim Sutterlütty ein und warte auf den Retourbus. Versuch ja nicht, dort ein Bier während der Wartezeit zu konsumieren, denn da wirst von der Kripo(!!!) aufmerksam gemacht, dass dieses Vergehen mit €70.- geahndet wird….
    (Alkohol im Bahnhofsbereich ist nicht gestattet). So, wo hört der Bahnhofsbereich auf? Bei der Busstation oder beim Sutterlütty?..denn dort kannst getrost deine Bierchen geniessen, obwohl er das gemeinsame Dach wie der Bahnhof besitzt….
    Es macht einen Unterschied, ob ich während der Wartezeit ein Getränk konsumiere, oder ob ich mich den ganzen Tag dort aufhalte….
    Und übrigens, wo kann man in Dornbirn noch ein Bier im Sitzen konsumieren, ausser in diversen Lokalen? Der Martinspark soll ja auch gesperrt sein und sonst finden sich wenig Bankern dafür…
    Offenbar wird hier für Stehpartys geworben…doch auch diese werden eines Tages verschwinden “müssen”, zum Schutze unserer Gastronomiewirtschaft….

  5. JulianAssange

    … und Hohenems forciert die Käufer-und-Kaufleute-Vertreibung aus dem Zentrum mit ihrer lächerlichen Verkehrspolitik !!

    … von den übrigen politischen troubles in Ems mal ganz zu schweigen !!!

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.