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Wartet nicht auf bessre Zeiten …

08.03.2011 | 1 Kommentar

Aus der letzten Volkszählung geht hervor, dass für fast die Hälfte der Hohenemser Wohnbevölkerung die höchste Ausbildungsstufe die allgemeinbildende Pflichtschule ist und für über Dreiviertel der Hohenemser ist die höchste Ausbildung die sie erreicht haben entweder Pflichtschulabschluss oder Lehre. Hochschulabsolventen erreichten damals nicht einmal magere drei Prozent.
Die letzte Volkszählung weist für Hohenems auch aus, dass ein Viertel der Hohenemser Familien eine Familienform als Lebensgemeinschaft oder alleinerziehend bewältigen müssen. Allein die Alleinerziehenden umfassen über 600 Familien. Die neueren Zahlen werden wohl weiter eine Entwicklung in diese Richtung ausweisen.
Die Lohnsteuerstatistik 2009 zeigt zudem für vollzeitbeschäftigte Frauen im Bezirk Dornbirn lediglich einen Bruttobetrag von 30066 € (Männer hingegen 43680) aus. Männer verdienen also um 45,3 Prozent mehr. Dies hat sicherlich mit den Erziehungs- und Haushaltsaufgaben und der Versorgung der Kinder durch die Frauen zu tun. Sie haben noch immer die ganze Last zu tragen.
Vielfach wird auch bedauert, dass Eltern in der Erziehungs- und Bildungsarbeit nicht ihren Part dazu beitragen. Dabei wird aber übersehen, dass sich auch deren Umfeld verändert hat. Das Wirtschaftsleben ist auf Mobilität angewiesen und wer seinen Arbeitsplatz behalten möchte, dem wird Familien- und Kinderfreundlichkeit schnell nicht nur zum Karriereknick sondern auch zur Gefahr für den existenzerhaltenden Arbeitsplatz, wie man ja gerade aus den Fraueneinkommen drastisch herauslesen kann.
Zudem haben sich Wohn- und Familienformen verändert. Alleinerzieher, Patchworkfamlien, Scheidungskinder erweitern den seinerzeitigen Begriff der Schlüsselkinder um mehrere Ebenen. Ebenso ist die Berufstätigkeit auch der (alleinerziehenden) Mutter zu einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit geworden und fällt sie ohne diese aus dem gesamten sozialrechtlichen System, angefangen von der Wohnungsförderung bis zur Pensionsleistung. Daraus resultiert eine erhebliche Belastung des Schulsystems, weil sie immer Aufgaben übernehmen muss, welche ursprünglich der elterliche Haushalt geleistet hatte. Daraus resultiert eine entsprechende öffentliche Forderung an den Staat, an Land und Gemeinden, diese Aufgaben sowohl im Namen des Bildungssystems als auch der öffentlichen Wohlfahrt zu leisten. Was den einen als öffentlichen Engagementdefizit erscheint, will dabei anderen wieder als die “Verstaatlichung” der Kinder erscheinen.
Doch wer hier und jetzt für die Kinder und Schüler etwas tun will, der kann nicht auf die Politik warten. Dort redet man über Ganztags- und Gesamtschule für eine Generation, für die, wenn diese Reformen greifen könnten, diese wieder durch die gesellschaftlichen Entwicklungen überholt sein wird. Die politische Diskussion orientiert sich an einem fernen Horizont statt hier vor der Türe. Es wäre ja schon viel unmittelbarer geholfen, wenn man wenigstens und sofort in den ersten beiden Grundschulklassen zwei Lehrpersonen einsetzen würde. Man könnte sich dann, die Kinder so mal gut versorgt, an Größeres wagen.

Wir wollen in Hohenems nicht mehr nur auf bessre Zeiten warten und haben die Initiative ergriffen.

Hohenemser Kinder sollen es nämlich besser haben. Mit dem Pilotprojekt “SCHULtopia” wollen wir uns bemühen, Schülern zu helfen, eine gute Volksschulzeit mit vielen Erfolgserlebnissen zu haben und ihre Fähigkeiten und Talente so zu fördern, dass sie die weitere Schullaufbahn nach der Volksschule weitgehend selbständig meistern können.
Volkschul- und Vorschulkindern wird bei diesem Projekt die Möglichkeit eingeräumt, jeden Nachmittag von Montag bis Freitag während der Zeiten zwischen 14 und 18 Uhr SCHULtopia aufzusuchen um sich bei den Hausaufgaben helfen zu lassen, sich begleitet auf Tests vorzubereiten und auch soziokulturelle Fähigkeiten für ihre Schullaufbahn und darüber hinaus anzueignen, zu festigen und zu fördern. Die Stärkung von Konfliktlösungsstrategien sind ebenfalls wichtiger Bestandteil des Settings.
Prinzipiell soll damit das sichere Erreichen der Mittelschulreife angestrebt werden. Es gibt nämlich keinen vernünftigen Grund dafür, dass Kinder - so nicht ein anderes Handicap vorliegt - nicht die Mittelschul- und Hochchulreife erreichen könnten. Das beweisen uns nicht nur Finnland. In der benachbarten Schweiz laufen die Bildungsprogramme bereits darauf an, dass zwei Drittel eines jeden Jahrganges mit einem Hochschulabschluss ihre vorläufige Bildungslaufbahn abschließen.
Ich setze darauf, dass dieses Projekt gelingt und ich lade euch ausnahmsweise ausdrücklich dazu ein, mit Copy & Paste dieses genossenschaftsähnliche Selbsthilfemodell ebenso umzusetzen. Sie helfen damit nicht nur Vorarlbergs Zukunft, seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, unmittelbar und jetzt den Eltern und den Kindern, sondern sich selber am meisten. Denn Pensionen, Sozial- und Gesundheitssystem und die öffentliche Infrastruktur werden nur durch die höheren Einkommen einer gut ausgebildeten Bevölkerung zu leisten sein.

Da gibt es noch ein paar Links zum im Thema Weiterlesen:

Pilotprojekt zur Förderung von Volksschülern
Vorarlbergs Schulinspektoren kann man getrost einsparen
Vorarlbergs verschleierte Frauenlöhne
Grobe Benachteiligung unserer Kinder!
SCHULtopia

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Ein Kommentar

  1. Markus_35

    Wenn man soviele Orden verdienen würde und keinen bekommt, kann man durchaus mal darüber nachdenken!

    Also ich würde einen Orden für den einzigen JUGENDSTADTRAT in Europa verleihen, der für die Freigabe von weichen Drogen ist! Eine wichtige Angelegenheit für den Schutz unserer Jugend, damit sie nicht auf der Strasse kifft.

    Ein bisschen billig halt Mr Amann sich jetzt auch noch für die ach so benachteiligten Frauen einzusetzen. Jetzt bleibt dann bald keine Projektionsfläche mehr übrig, vielleicht kann noch etwas für die armen Reier im Hohenemser Ried machen. Aber wenn man das in gewichtiger politischer Position aus der Metropole Hohenems herausmacht, hat das natürlich schon einiges Gewicht.

    Euch Hohenemser nimmt man doch ausserterritorial gesehen gar nicht mehr ernst, etwas anderes als von Streitigkeiten hört man von euch sowieso nicht.

    Durch meinen Kommentar haben ihre Aussagen Gewicht erhalten, danken sie mir, aber erwarten sie sich keinen Orden dafür.

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