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Schlachtet die heilige Kuh Wohnbauförderung!

21.04.2011 | 4 Kommentare

Eine klassische Vorarlberger Politiklüge ist die vom eigenen Hüsle, vom Eigenheim und der Eigentumswohnung. Eine Unmenge von Geld, Zeit und Lebensqualität werden dafür investiert, damit Banken und die Politik verdienen. Die Bürger werden damit abgezockt, sogar noch beim Testament, wie die jüngste Vorarlberger Skandalgeschichte dokumentiert.

Alle Vorarlberger Parteien halten diesen Mythos hoch und mit Milchmädchenrechnungen wird er über das Ablaufdatum hinaus am Leben erhalten. Das was als Vorarlbergs Wirtschaftswunder gilt, ist in Wirklichkeit seine Schwäche: Schon in meiner Jugend war eine gängige Erklärung vieler Menschen, warum sie nichts gelernt hatten, eine einfache wie erschütternde: “Ich konnte nicht studieren, weil wir gebaut haben.”

Alemannenausweis

Um ein echter Vorarlberger zu sein, musste man ein Hüsle bauen und es war faktisch wie ein Arierausweis. Man erkannte die “echten arbeitsamen Alemannen” an ihrem Hüsle, die “faulen Zuwanderer” aus der Steiermark und Kärnten daran, dass sie im “sozialen Wohnbau” untergebracht waren. Sozial war dieser Wohnbau aber nie, denn immer haben die Mieter dieser Wohnungen, die gesamten Baukosten und häufig eine teure Politikerkaste mitfinanziert. Sie hatten auch das Vorarlberger Nachkriegswirtschaftswunder mit ihren kleinen Löhnen konkurrenzfähig und möglich gemacht. Ganz geschweige davon, dass man die Wohnanlagen in der Regel dorthin gebaut hat, wo der Spießbürger nicht mit jenen Menschen mit auch nur einem anderen Dialekt in Berührung kommen mussten. Und die so in ihrem sozialen Status abgewerteten Mitbürger hielten diese Lüge am Leben. Um den vermeintlichen Aufstieg und endlich die Anerkennung der Eingeborenen zu schaffen, musste man auch ein Hüsle bauen. Geholfen hat ihnen das nicht, erst die Zuwanderung neuer Menschen auf denen man statt ihrer hat herumtreten können, hat sie etwas entlastet.

Der Eigenheim- und Hüslebau ist eigentlich auch der Ausgangspunkt unserer derzeitigen Wirtschaftskrise. Ist das wirklich völlig entgangen? “Jedem Bürger sein Hüsle” hat zum Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienblase geführt, erst die Grundpreise himmelhoch in die Höhe getrieben bis sie total in den Boden gefallen sind. Zur Freude der Spekulanten.

Kosten über Kosten

Niemand redet von den vielen Opfern in Vorarlberg. Angefangen von jenen Kindern, die keine höhere Ausbildung sich leisten konnten, weil man zuhause baute. Von der Ver- und Überschuldung der Menschen, die trotz “Besitz” eines Hauses Wohbeihilfe und Heizkostenzuschuss dringend brauchen. Von den Versteigerungen, weil die Frankenkredite nicht mehr bezahlt werden konnten oder weil die Ehen gescheitert sind und das Eigenheim nicht nur für die Ehestreitereien aufging, sondern auch nicht angemessen verkauft werden konnten. Von dem Verlust der finanzielllen und materiellen Eigenlisetungen, weil ein Partner krank oder arbeitslos wurde und die Rückzahlung nicht mehr gesichert waren. Auch wer erst einmal in einem Eigentumsobjekt wohnt und sich über Betriebskosten, Abrechnung, Reparaturkosten und Verbesserungen mit den Miteigentümern streiten muss, erlebt sehr schnell, dass er auch nicht viel mehr als ein Mieter in der “eigenen” Wohnung ist und der Leibeigene seiner Bank. Dass Vorarlberg die niedrigsten Fraueneinkommen und die niedrigsten Pensionen hat, auch das hat mit dieser visionslos-dummen Politik zu tun. Noch gar nicht erwähnt, dass den alten Mitbürgern in ihrem Hüsle nicht nur die Gefahr von einer betrügerischen Testamentsvollstreckung droht, sondern dass sie mit ihren kleinen Pensionen ihr “Eigentum” auch gar nicht mehr erhalten können.

Die Kosten, welche diese Unpolitik auch den Steuerzahlern bereitet hat, darüber redet ebenfalls niemand. Die Erschließungskosten, die Kosten von Infrastruktur, Schulen, Kindergärten, Straßen, … Die Zersiedelung, die Versiegelung der Landschaft, der enorme Energieverbrauch, die geringe Mobilität, geschweige denn die sozialen Kosten des Verlustes einer Gemeinschaft und der künstlichen Bildung von Ghettos, die man dann politisch zu Kleingeld macht und so eine durch die Politik verschuldete und in Leibeigenschaft diverser Finanzierungsinstitute gehaltene Bevölkerung mit Fremdenfeindlichkeit bei mäßiger Laune halten gezwungen ist.

Die radikale Abkehr von dieser Krisenpolitik ist angesagt. Schluss mit dem asozialen Gerede vom sozialen Wohnbau, Schluss mit der öffentlichen Finanzierung des privaten Wohnbaus. Schluss mit der Manipulation der Bürger. Schluss mit der Lüge vom Eigentum. Endlich eine für die Umwelt verträgliche ökologische Bauwirtschaft und ein menschengerechter gemeinnütziger statt eigennützigem Wohnbau.

Bürgerfreundlicher Wohnbau

Wie das geschehen kann und warum das auch geschehn muss, das ist eine andere Geschichte.

Darüber im nächsten Blogbeitrag.

Eurer Bernhard

 

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4 Kommentare

  1. tuerkenfreund

    bernard sie sollten lieber deinen jop streichen
    als so einen giftler und querolanten zu bezahlen

  2. sunshine71

    Kann ich nicht teilen, deine Meinung, Bernhard! Ich hab selbst vor 6 Jahren gebaut, ordenltlich Schulden gemacht, der Kredit ist dank starkem Schweizer Franken (momentan) teurer geworden als erwartet.

    Dennoch würd ich wieder bauen - ich zahle weniger zurück, als ich für eine Mietwohnung an Miete zahlen müsste. Was übrig bleibt, wird jedes Quartal zusätzlich überwiesen, um den Kredit rascher abzahlen zu können.

    Miete würd ich sehr viel zahlen - ohne dass mir das Haus oder die Wohnung jemals gehören würde. Ich zahl weniger an Kredit zurück, aber in ungefähr 15 Jahren gehört mir mein Haus.

    Ich würd auch jedem nach wie vor dazu raten, wenn es finanziell machbar ist, sich ein Haus zu kaufen oder zu bauen.

  3. SchneeKing

    aha so ist das und sowas kommt vom größten giftler aus hohenems

  4. Kritikus

    Sehr nachdenkenswert.
    Respekt!

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