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Drogenkonsumräume: Prim. Dr. Reinhard Haller liegt falsch!

14.08.2012 | Keine Kommentare

Der Landesdrogenbeauftragte des Landes Prim. Dr. Reinhard Haller hat gegenüber dem ORF-Vorarlberg am 10. August 2012 die Fakten ignoriert.
siehe unter: http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2545004/
Dabei behauptet er, dass sich die Drogenszene völlig geändert habe. Man sei weggekommen vom Heroin, chemische Drogen würden die Szene beherrschen. Zudem sei der Anziehungseffekt und die Verelendung der Szene, die von den Drogengebrauchsräumen ausgehen, groß. Er verwies diesbezüglich auf Zürich, wo man damit gescheitert sei.

Richtig ist viel mehr, dass Heroinkonsum nach wie vor eine wichtige Rolle einnimmt. Natürlich je nach Verfügbarkeit auf dem Schwarzmarkt. Ist dieser ausgetrocknet, weichen die Menschen auf Medikamente aus.
Diese Substanzen werden gleichfalls großteils intravenös konsumiert. Hier ist ein starker Anstieg zu verzeichnen. Auch der Alkohol spielt eine zunehmend wichtigere Rolle. Das Konsumverhalten hat sich Richtung Polytoxikomanie verändert. Es gibt nicht mehr die klassische Leitdroge.

Dass nun chemische Drogen die Szene beherrschen, ist einfach ein Märchen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen können wir in unserer Stelle, also an der Basis, keinerlei starke Zunahme feststellen.

Dass sich laut Haller die Applikationsform von intravenösen zum oralen Konsum geändert hätte ist falsch. Während wir in der Kontakt- und Anlaufstelle Ex & Hopp im Jahr 2009 90.000 Spritzen getauscht haben, waren es im vergangenen Jahr 180.000! Also eine Verdoppelung innerhalb von 2 Jahren. Mich wundert es, dass sich der Landesdrogenbeauftragte nicht einmal vor Ort informiert, oder die Jahresdokumentationen studiert. Dies wäre ja sein Job.

Überhaupt nicht nachvollziehbar war schlussendlich seine Aussage, dass Drogenkonsumräume in Zürich gescheitert seien. Vielmehr sind diese Einrichtungen nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des dortigen Drogenhilfesystems.

Schlussendlich behauptet der Landesdrogenbeauftragte, dass es bei analogen Versuchen überall im Ländle (?????) zu massiven Anrainerprotesten gekommen sei. Auch im Vorfeld der Errichtung unserer neuen Stelle. Richtig ist vielmehr, dass es bisher keinerlei praktische Versuche für die Etablierung eines Drogengebrauchsraums gegeben hat.

Dass es bezüglich des neuen Standorts Ex & Hopp zu Diskussionen gekommen ist, liegt in der Natur der Sache. Diese verliefen aus meiner Sicht sehr sachlich und waren geprägt von gegenseitigem Respekt. Die Nachbarn gründeten die Bürgerinitiative “Bauvorhaben Ex & Hopp Quellengasse, Dornbirn”. In der Folge wurden eben von dieser Bürgerinitiative Unterschriften mit der Forderung nach “Ermöglichung des Konsums in der Einrichtung der Kontakt- und Anlaufstelle Ex & Hopp unter medizinischer Sicht” gesammelt und der Vorarlberger Landesregierung vorgelegt. In einem gemeinsamen Gespräch am 21.12.2010 u.a. mit dem damals zuständigen Regierungsmitglied Mag. Markus Wallner, Prim. Dr. Reinhard Haller und der Bürgerinitiative, sind deren Forderungen kategorisch abgeschmettert worden. Dies von Haller nun öffentlich so darzustellen, dass sich die Anrainer dagegen wehren würden, ist absolut absurd!

Euer Bernhard

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